
Ein Schlaglicht von Prof. Dr. Wolfgang Nethöfel
Vom 17. bis zum 19. Oktober fand Berlin der EKD-Workshop „Leitung und Führung in der Kirche“ statt. Das Projektbüro bereitete damit auf einem weiteren „zentralen Handlungsfeld“ des Reformprozesses den Schritt vor von der Information und Verständigung wichtiger Akteure hin zu jenen strukturellen Veränderungen, hinter die niemand mehr zurück kann.
„Was mir klar geworden ist“, benannten am Schluss die Badische Oberkirchenrätin Barbara Bauer und Udo Krolzik, der Leiter der
Bundesakademie und der Führungsakademie für Kirche und Diakonie, nahezu übereinstimmend: Die Einheit von geistlicher und professioneller Leitung muss sich in klar kommunizierten Führungsgrundsätzen ausdrücken. Die Konsequenz daraus wird ein kooperativer Führungsstil sein, der allerdings die klare Trennung von strategischen und operativen Aufgaben sowie die präzise Benennung von Kompetenzen und Zuständigkeiten
voraussetzt. All dies schließt theologische und nichttheologische Mitarbeiter und Ehrenamtliche ein.
„Wie machen es andere?“ Diese Fragen hatten nach einem Impulsreferat des ehemaligen McKinsey-Chefs Deutschland Peter Barrenstein Fachleute aus Wirtschaft und Verwaltung. Übereinstimmungen und
Differenzen waren oft überraschend – was zwischendurch eine Theatertruppe eindrucksvoll vor Augen stellte. Überraschend eindeutig war auch das Bekenntnis der versammelten kirchlichen Führungskräfte,
unter ihnen auch der Ratsvorsitzende Wolfgang Huber, führen zu wollen.
Deutlicher wurde nun, was getan werden muss, „damit Führen glücklich macht“, wie einige kühn formulierten. Die frühzeitige Identifizierung, die Bildung und Weiterbildung geeigneter Führungspersönlichkeiten, die Verständigung über Standards, über Insel- und Pilotprojekte und nicht zuletzt die Weiterarbeit an theologischen Leitvorstellungen und
Modellen in allen Landeskirchen und in diakonischen Werken und Einrichtungen sind Aufgaben und Aufträge, die das Projektbüro mitnimmt nach Hannover. Zu den Entscheidungen, die dort nach dieser Tagung
anstehen, gehört sicher die Verständigung darüber, welche Rolle im
Reformprozess nach der Tagung am Wannsee der Führungsakademie im Berliner Dom zukommt.
Der Autor Dr. Wolfgang Nethöfel ist Professor für Sozialethik in Marburg und Direktor des Instituts für Wirtschafts- und Sozialethik (www.iws-marburg.de) an der Philipps-Universität Marburg. Er ist Mitglied im Kirchenvorstand der Evangelischen Hoffnungsgemeinde und Moderator der „Werkstatt Bahnhofsviertel“ in Frankfurt. Zudem ist er Sprecher des „Netzwerk Kirchenreform“ und u.a. Mitherausgeber von „Kirchenreform jetzt!“ (2. Aufl. 2008), „Kirchenreform strategisch!“ (2007), „Christliche Identität profilieren“ (2007) und "Aufbruch in die Region" (2008). Internet: www.wolfgang-nethoefel.de.